Wen-Do und der Froschkönig: Selbstbestimmung statt Märchenzauber

„Wen-Do Selbstbestimmung: Was der Froschkönig wirklich über Grenzen lehrt“

Jahrelang war „Der Froschkönig“ eines meiner Lieblingsmärchen. Ich mochte die Geschichte, ohne sie jemals wirklich zu hinterfragen. Erst ein Gespräch mit einer Freundin brachte mich dazu, den Inhalt mit anderen Augen zu betrachten. Als ich ihr erzählte, wie gerne ich dieses Märchen hatte, begann sie zu lachen und fragte: „Nicht dein Ernst – du findest diesen Mittelalterporno gut?“

Ich war schockiert. Was meinte sie damit? Ihre Erklärung traf mich unerwartet: Ein Mädchen bekommt ihr wertvolles Spielzeug zurück und als Gegenleistung darf ein fremder Mann in ihr Bett. Für mich brach damals eine kleine Welt zusammen.

Heute sehe ich das Märchen nochmals anders. Es geht für mich nicht darum, ob die Geschichte „gut“ oder „schlecht“ ist. Vielmehr zeigt sie gesellschaftliche Muster, die bis heute existieren.

Gerade aus der Perspektive von Wen-Do und Selbstbestimmung lohnt sich ein neuer Blick auf den Froschkönig. Die Geschichte erzählt nicht nur von einem verzauberten Prinzen, sondern auch von Macht, Abhängigkeit, Erwartungen und der Frage, wie wir mit unseren eigenen Grenzen umgehen. Themen, die auch heute noch aktuell sind und die im Wen-Do eine wichtige Rolle spielen.

Der Froschkönig neu gelesen: Macht und Abhängigkeit im Märchen

Die Prinzessin verliert ihre goldene Kugel und befindet sich in einer Notlage. Der Frosch bietet Hilfe an, knüpft diese jedoch an Bedingungen. Aus ihrer Sicht scheint es keine andere Möglichkeit zu geben, als darauf einzugehen.

Die Situation erinnert an Erfahrungen, die viele Frauen, Mädchen und queere Menschen auch heute machen: Hilfe wird nicht selbstverständlich angeboten, sondern an Erwartungen geknüpft. Nach dem Motto: „Wenn ich dir helfe, schuldet du mir etwas.“

Manchmal geht es dabei um Aufmerksamkeit, emotionale Nähe oder sogar um Ansprüche auf den Körper einer anderen Person. Das Märchen macht sichtbar, wie schnell aus einer Hilfestellung ein Machtgefälle entstehen kann.

Was der Froschkönig mit Grenzverletzungen heute zu tun hat

Besonders nachdenklich macht mich die Frage, welche Alternativen die Prinzessin eigentlich gehabt hätte. Ihr Vater war der König. Sie hätte ihn um Unterstützung bitten können.

Doch im Märchen geschieht etwas anderes: Als der Frosch seine Forderungen einlöst, weigert sich die Prinzessin zunächst. Daraufhin befiehlt ihr Vater, ihr Versprechen einzuhalten. Sie sträubt sich, muss aber dem Willen ihres Vaters folgen.

Damit erlebt sie nicht nur Druck durch den Frosch, sondern auch durch eine Autoritätsperson, die ihre Bedürfnisse und Grenzen nicht ernst nimmt.

Gerade dieser Aspekt wirkt erstaunlich aktuell. Viele Menschen erleben auch heute Situationen, in denen sie sich verpflichtet fühlen, Erwartungen zu erfüllen, obwohl sich etwas nicht richtig anfühlt. Grenzen werden dabei oft übergangen oder relativiert.

Wen-Do: Die eigenen Grenzen ernst nehmen

Dieser Aspekt macht mich besonders wütend. Die Prinzessin sagt nicht aus freiem Willen Ja. Sie wird dazu gebracht, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Erst als die Situation eskaliert, wehrt sie sich körperlich. Im Märchen wird der Frosch dadurch zum Prinzen verwandelt und die Geschichte endet glücklich.

Doch im echten Leben verwandeln sich Menschen, die Grenzen überschreiten oder Bedingungen stellen, nicht plötzlich in Prinzen. Die Realität ist oft komplizierter und schmerzhafter.

Genau hier setzt Wen-Do an. Wen-Do ist weit mehr als Selbstverteidigung. Es geht darum, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, Warnsignale zu erkennen und den eigenen Grenzen zu vertrauen.

Wen-Do ermutigt dazu, Nein zu sagen, Hilfe einzufordern und die eigene Stimme zu nutzen. Es vermittelt die wichtige Botschaft, dass niemand verpflichtet ist, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, um Erwartungen anderer zu erfüllen.

Was wir vom Froschkönig aus Wen-Do-Perspektive lernen können

Gerade deshalb halte ich das Märchen heute für wertvoll. Nicht, weil es romantisch ist, sondern weil es Anlass bietet, über Macht, Abhängigkeit und Grenzverletzungen zu sprechen.

Viele Menschen lernen früh, höflich zu sein, Erwartungen zu erfüllen oder Konflikte zu vermeiden. Dabei kann es schwerfallen, Nein zu sagen oder Grenzen klar zu kommunizieren.

Umso wichtiger sind Räume, in denen Menschen genau das üben können. Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse wie Wen-Do vermitteln nicht nur körperliche Techniken, sondern stärken auch das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Sie ermutigen dazu, die eigene Stimme zu nutzen, Grenzen aufzuzeigen und sich Unterstützung zu holen. Denn niemand schuldet anderen den eigenen Körper, emotionale Nähe oder Dankbarkeit als Gegenleistung für Hilfe.

Fazit: Selbstbestimmung statt Märchenzauber

Der Froschkönig ist für mich deshalb heute kein romantisches Märchen mehr. Er ist eine Geschichte über Machtverhältnisse, über Druck und über die Bedeutung von Selbstbestimmung.

Gerade weil diese Themen auch heute noch aktuell sind, lohnt es sich, darüber zu sprechen.

Aus einer Wen-Do-Perspektive erzählt der Froschkönig nicht von einer romantischen Verwandlung, sondern von der Bedeutung, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Und genau darin liegt für mich heute sein eigentlicher Wert.

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